Sonnig warme und feuchtheisse
Länder
ziehen pro Jahr über zehn Prozent der
Schweizer in ihren Bann. Besondere Faszination übt
das Erkunden unbekannter, tropischer und
subtropischer Länder aus, wenn diese
mit einem Rucksack, viel Zeit und Erlebnishunger
bereist werden. Ungewohnte klimatische und
hygienische Verhältnisse, unter Umständen
lebensbedrohliche Infektionskrankheiten und
teilweise mangelhafte medizinische Infrastruktur
bedingen eine umfassende Vorbereitung zu
Hause und die Berücksichtigung von Verhaltensregeln
während der Reise.
Das
Wichtigste in Kürze
Hauptrisiken
für Tramper
•
Durchfallerkrankungen
•
Malaria
(vor allem bei vernachlässigter
Prophylaxe)
•
Verkehrsunfälle
und Gewaltdelikte
•
sexuell übertragene
Krankheiten
•
Tollwut
durch Hundebiss
Vor
der Reise zu beachten
•
Kenntnis
der wichtigsten lokalen (Krankheits-)Gefahren
und Gegebenheiten (Klima usw.)
•
Wissen
um die Grundregeln zur Selbstbehandlung
von Gesundheitsstörungen
•
Arztbesuch
zur Beratung und Aktualisierung des
Impfschutzes und der Reiseapotheke
zwei Monate vor Abreise (Reiseroute,
Impfausweise, Fragen mitbringen!)
Während
der Reise
•
korrekte
Malariaprophylaxe (auch bei Langzeitaufenthalten
oder Wiedereinreise in Malariagebiete)
•
vor
allem zu Beginn der Reise einheimisches
Essen nur gekocht oder durchgebraten
und nur in kleinen Mengen
•
sicheres
Trinkwasser: fünf Minuten abkochen
ist die beste Methode
•
jeden
Kontakt mit Blut oder Stuhl meiden
•
kein
Baden, auch nicht Händewaschen
in langsam fliessenden oder stehenden
Süssgewässern
•
nach
Biss durch streunenden Hund Wunde mit
Wasser und Seife auswaschen, desinfizieren,
eventuell Tollwutauffrischimpfungen!
•
bedachtes
Verhalten hilft vor Unfällen und
Gewaltdelikten zu schützen
Nach
der Reise
•
Rückkehruntersuchung
beim Hausarzt
•
bei
Fieber Malariaverdacht beachten!
Planung Legen Sie die
wahrscheinliche Reiseroute und Alternativen möglichst
im voraus fest.
Informieren Sie
sich anhand einschlägiger
Reisebücher umfassend über die
zu erwartenden lokalen Verhältnisse
(inklusive Klima, Regenzeiten, Monsun,
Höhen-angaben usw.).
Vor jeder längeren Reise in tropische
Gebiete wird eine ärztliche Begutachtung
Ihres Gesundheits- und Impfungszustandes
dringend empfohlen, inklusive Zahnarztkontrolle.
Melden Sie sich sechs bis acht Wochen vor
Reiseantritt bei Ihrem Arzt zur Beratung
an, und bringen Sie dazu die detaillierte
Reiseroute, Impfausweis und Ihre Fragen
mit. Reisende mit besonderen Risikofaktoren
(HIV-Positivität, Lungenkrankheit,
Epilepsie, Diabetes, Einnahme von Dauermedikamenten,
Schwangere) sollten ihre spezifische Situation
besonders sorgfältig prüfen.
Impfungen
und Prophylaxe
Nehmen Sie die für
die geplanten Reiseländer
empfohlenen Impfungen vor. Für alle
Entwicklungsländer benötigen
Sie einen für die Dauer der Reise
ausreichenden Impfschutz gegen Starrkrampf,
Diphtherie und Kinderlähmung (lmpfschutzdauer
ab letzter Impfung zehn Jahre).
Die durch
Stechmücken
in der Dämmerungszeit übertragene
Malaria ist ein ernsthaftes Risiko für
Reisende in vielen tropischen Ländern.
Eine fundierte Beratung über die medikamentösen
und nichtmedikamentösen Vermeidungsstrategien
und frühzeitige Erkennung und Notfallbehandlung
einer Malaria vor der Abreise in bedrohte
Länder sind unerlässlich. In
besonders gefährdeten Regionen (Afrika,
Indien, Papua-Neuguinea und andere mehr)
ist nebst wirksamem Insektenschutz (Antimückenmittel,
Mückennetze, lange Kleidung) die Einnahme
eines rezeptpflichtigen Medikamentes zur
Prophylaxe zwingend! Für andere Gebiete
wird Ihnen der Arzt ein Medikament für
den Notfall einer vermuteten Malariaerkrankung
verschreiben. Besondere Beachtung verdient
die Malariavorbeugung bei Langzeitaufenthaltern
und bei wiederholten Einreisen in Malariagebiete.
Eine kompetente fachärztliche Beratung
(eventuell an einem spezialisierten Zentrum)
und ein individuelles Vorgehen helfen,
das Risiko zu verringern.
Die Impfung gegen
die vielfach durch Trinkwasser übertragene
Hepatitis A ist bei einem längeren
Aufenthalt in ländlichen Gebieten
unter einfachen hygienischen Verhältnissen
in Afrika, Asien, Lateinamerika, aber auch
entlegenen Gebieten Osteuropos, angezeigt.
Für längere und erneute Reisen
wird nach sechs bis zwölf Monaten
eine einmalige Auffrischungsimpfung empfohlen.
Bereits an Hepatitis A erkrankte Personen
sind gegen die Krankheit immun.
Unbedingt
empfohlen wird dem Langzeit-Tramper in
tropischen Ländern
die Hepatitis.B. Impfung. Mit drei Grundimpfungen
(Wiederholung
nach einem und sechs Monaten) wird ein
guter Schutz vor der manchmal folgenschweren,
durch Blut (auch Blutspuren bei Tätowierungen,
Akupunktur, ungeschütztem Geschlechtsverkehr) übertragenen
Krankheit erreicht. Bereits Geimpfte
benötigen je nach individueller
Antikörperkonzentration eine Auffrischimpfung.
Die
Typhus-Schluckimpfung wird allen Rucksack-Touristen
mit tropischen
Reisedestinationen empfohlen
(in jedem Fall vor Beginn einer eventuellen
Malaria-Chemoprophyloxe!) und schützt
während maximal dreier Jahre.
Für Ziele im nördlichen
Südamerika
und im tropischen Afrika ist die Gelbfieberimpfung
obligatorisch, vor allem wenn man unbehelligt
(Quarantäne!) in nicht betroffene
Länder weiterreisen will. Nachweis
durch beglaubigten internationalen Impfausweis
notwendig.
Die Hunde-Tollwut ist
in den meisten Entwicklungsländern
weit verbreitet. Die Tollwutimpfung vor
Ausreise (drei Impfungen während eines
Monats) schützt allerdings nur teilweise.
Nach einem verdächtigen Biss sind
daher weitere Impfungen notwendig. Angesichts
des immer tödlichen Ausgangs einer
manifesten Tollwuterkrankung und der oft
eingeschränkten Impfmöglichkeit
vor Ort wird dringend die Impfung vor Abreise
empfohlen.
Sahelzone, Indien, Nepal,
Brasilien: Eine einmalige Impfung schützt
zwei Jahre vor A- und Meningitis (epidemische
Hirnhautentzündung).
Ost- und Südostasien
(China, Japan, Korea, Nepal, Burma, Indien,
Thailand,
Vietnam, Laos und Kambodscha): Drei Impfungen
im Laufe eines Monats schützen für
ungefähr vier Jahre vor japanischer
Enzephalitis, einer durch Mücken übertragenen,
zum Teil tödlich verlaufenden Nerven-
und Hirnhautentzündung.
Unter anstrengenden
Reisebedingungen und bei engem (Haushalts-)Kontakt
mit der
Bevölkerung steigt die Gefahr einer
Tuberkuloseansteckung. Eine Mantoux-Probe
vor und nach der Reise kann gegebenenfalls
sinnvoll sein.
Stellen Sie eine geeignete
Reiseapotheke zusammen, die Sie gegen Notfälle
wie Schmerzen, Reisekrankheit, Wundversorgung
usw. wappnet. Tragen Sie dabei Ihrer
beschränkten Transportkapazität
Rechnung. Besorgen Sie nach Bedarf auch
Desinfektionsmittel für Trinkwasser
(z. B. Micropur). Nutzen Sie das Know-how
anderer (erfahrene Traveller, Spezialisten
in Reiseausrüstungsgeschäften,
für medizinische Belange Arzt oder
Apotheker).
Schützen Sie sich
bei allfälligen
flüchtigen Sexualkontakten vor Schwangerschaft,
Geschlechtskrankheiten und Aids durch die
Verwendung von Qualitätskondomen.
Nehmen Sie daher — bei möglichem
Bedarf genügend aus der Schweiz mit!
Malariaprophylaxe
Gemäss
Untersuchungen nehmen gegen vierzig Prozent
der Traveller
in Gebieten, die den Schutz einer konsequenten
Malaria-Chemoprophylaxe erfordern, diese
Medikamente nicht korrekt ein. Dabei wird
oft vergessen,
dass es ohne Vorsichtsmassnahmen und auch
ohne typische Symptome wie Kopfschmerzen,
Fieber, Schüttelfrost zur Erkrankung
kommen kann, die im schlimmsten Falle zum
Tod
führt.
Bei jedem Fieberzusiand, auch
nach der Reise, muss an Malaria gedacht
werden!
In Gebieten mit hohem Malariavorkomrnen
(vgl. Karte) müssen nebst der konsequenten
Einnahme von Malariamedikamenten Mückenstiche
verhindert werden. Repellenis, die DEET
enthalten (u.a. Antibrumm, Auton), Mückennetze,
lange Kleidung in den Abendstunden und
Insektizide sind wirksam.
Durchfallerkrankungen Reisedurchfall
trifft vor allem jene, die die Regel «boil
it, cook it, peel it — or forget
it!» nicht
beachten. Wasser soll nur gekocht (fünf
Minuten), eventuell gefiltert, oder nach
Zusatz von geeigneten Desinfektionsmitteln
oder aus originalverschlossenen Flaschen
getrunken werden.
Konsequenter Verzicht
auf Leitungswasser, Eiswürfel, Eiscreme, Fruchtsäfte,
Salate, rohes Gemüse und rohe Meeresfrüchte.
Geniessen
Sie besonders zu Beginn der Reise einheimisches
Essen
nur in kleinen
Mengen und nur gekocht oder durchgebraten.
Bei
beginnender Durchfallerkrankung sofort
für ausreichenden
Flüssigkeits-
und Salzersatz sorgen.
Nach 24 Stunden
anhaltenden fieberhaften Durchfällen eventuell mit Antibiotika
(z. B. Chinolone) behandeln. Bessert sich
der Durchfall mit Antibiotika nicht, sollte
eine besondere Behandlung und ärztliche
Abklärung (Amöben?) erfolgen.
Antibiotika und Amöbenmedikamente
sind nur durch ärztliche Verschreibung
zu erhalten.
Infektionskrankheiten
Jeden Kontakt mit Blut oder Fäkalien
vermeiden (zu beachten auch bei Akupunktur,
Ohrdurchstechungen, Tätowierungen
usw.).
Barfussgehen
vermeiden zum Schutz vor Parasiten und
Tieren.
Kein Boden, auch
kein Händewaschen
oder ähnliches in Süsswasserseen
und langsam fliessenden Gewässern
(Bilharziosegefahr!). Salzwasser und chlorierte
Swimmingpools dagegen sind sicher.
Ein einziger
ungeschützter Sexualkontakt
kann zur Infizierung mit dem Aids-Virus,
Tripper, Syphilis und anderem mehr führen.
Einen relativen Schutz bietet nur das richtig
angewandte Präservativ von guter Qualität.
Nach
einem Biss eines streunenden Hundes oder
anderen
Säugetiers in den Tropen
muss die Wunde mit Seife und Wasser ausgewaschen
und anschliessend desinfiziert werden.
Gleichentags sollte eventuell mit der aktiven
Tollwutimpfung begonnen werden. Wenn noch
nie eine Tollwutimpfung zuvor erfolgte,
zusätzlich auch eine passive Impfung.
Hautpilz
wird durch die feuchtwarmen Bedingungen in
der Fuss-,
Leisten-, Genital und Analregion
begünstigt. Die Symptome der Pilzinfektion
wie Hautrötung und Juckreiz sprechen
auf eine Behandlung mit Antipilz-Creme
und gegebenenfalls Zäpfchen an.
Alle
Hautverletzungen (Insekten, Schürfungen
usw.) müssen rasch desinfiziert und
dann trocken behandelt werden, um langwierige
Eiterungen zu verhindern.
Unfallgefahr verringern
Sie durch bedachtes Verhalten. Meiden
Sie beispielsweise Motorradfahren
und nächtliche Langdistanzfahrten,
sicherer ist auch das Sitzen auf den Rücksitzen
eines Taxis.
Vertrauen Sie Ihrem
gesunden Menschenverstand, wenn Sie sich
auf etwas einlassen. Denken
Sie immer an die mögliche Signalwirkung
Ihres Verhaltens.
Quelle: SmithKline Beecham und
Schweizerische Gruppe für Reisemedizin.