Auf Reisen sind
Frauen mit spezifisch weiblichen Problemen
konfrontiert. Wie
soll beispielsweise die Verhütungspille
bei Zeitverschiebung eingenommen werden?
Was macht eine Frau im Menopausenalter
bei Auftreten einer unerwarteten, lang
andauernden Periodenblutung? Verhütung,
plötzliche Veränderungen der
Menstruation, Schwangerschaft, gynäkologische
Infektionen werfen auf Reisen Fragen oder
Probleme auf, die es zu beantworten gilt.
Das Wichtigste
in Kürze
Verhütung
•
ausreichend
gewohnte Verhütungsmittel mitnehmen
plus Reservepackung plus Kondome für
den Fall verminderter Wirksamkeit bei
Erbrechen oder Durchfall und zum
Schutz vor Aids
•
gewisse
Medikamente beeinflussen die Wirksamkeit
der Pille (Antibiotika, Abführmittel,
Aktivkohle)
•
nehmen
Sie die Pille am Reiseziel zur gewohnten
Zeit ein
•
vergehen
bei Reisen mit Zeitverschiebung zwischen
zwei Pilleneinnahmen mehr als 32 Stunden,
muss eine zusätzliche aus der
Reservepackung eingenommen werden
•
haben
Sie die gewohnte Pilleneinnahme einmal
vergessen und um mehr als 12 Stunden überzogen,
müssen zusätzliche Verhütungsmittel
angewendet werden
Schwangerschaft
•
Infektionskrankheiten
vorbeugen mit allfälliger Starrkrampf-
und Polioimpfung, Malariaprophylaxe
je nach Destination
•
Thrombosen
vorbeugen mit regelmässiger Bewegung
während der Reise, viel trinken,
Tragen von lockerer Kleidung und allenfalls
medizinischen Kompressionsstrümpfen
•
moderate
sportliche Aktivität ist ohne
weiteres möglich
Gynäkologische
Infektionen
•
Hygiene
beachten, viel Wasser und allenfalls
alkali- und parfümfreie Waschlotion
benützen
•
bei
Veranlagung für den Notfall Vaginaltheropeutikum
zur Behandlung banaler Scheideninfekte
mitnehmen
Menstruation
•
mit
geeigneten Hormonpräparaten lassen
sich Periodenblutungen verschieben
oder stoppen. Besprechen Sie Ihr Anliegen
mit dem Gynäkologen
Was
ist vor der Reise zu beachten?
Verhütung Nehmen Sie ausreichend
Ihre gewohnten Verhütungsmittel
mit, und halten Sie eine Reservepackung
bereit.
Oualitätskondome schützen nicht
nur vor Aids bei flüchtigen sexuellen
Kontakten, sondern auch vor unerwünschter
Schwangerschaft, wenn der Pillenschutz
bei Durchfall oder Erbrechen nicht mehr
gewährleistet ist.
Gewisse Medikamente
wie Antibiotika, Abführmittel,
Aktivkohle können durch Medikamenten-Wechselwirkungen
die Wirksamkeit der Antibaby-Pille in Frage
stellen. Besprechen Sie diese spezielle
Situation rechtzeitig mit Ihrem Arzt oder
Apotheker
Menstruation Es ist aus medizinischer
Sicht zulässig
und machbar, die reguläre Periodenblutung
zu verschieben, sei es mit der Pille selbst
oder anderweitigen Hormonpräparaten.
Ihr Frauenarzt wird Sie in diesem Unterfangen
individuell beraten.
Gynäkologische
Infektionen Stress, Zeitverschiebung,
hygienisches Umfeld, verminderte Infektabwehr
und
Antibiotika-Behandlung begünstigen
das Auftreten von Scheidenentzündungen.
Es ist bekannt, dass nach Antibiotika-Therapien
gehäuft Pilzinfektionen auftreten
können. Die situationsbedingt reduzierten
hygienischen Umstände auf der Reise
und am Aufenthaltsort begünstigen
Blasen-und Scheideninfektionen besonders.
Meisthandelt es sich um sehr unangenehme,
aber unkomplizierte Infekte, die häufig
auftreten. Frauen mit diesbezüglicher
Veranlagung sei für Notfälle
die Mitnahme eines geeigneten Vaginaltherapeutikums
(Zäpfchen, Creme) empfohlen.
Schwangerschaft
Das Risiko einer
Infektionserkrankung (z.B. Polio oder Hepatitis A)
muss bei
Schwangeren
genauestens gegen die Nachteile möglicher
Nebenwirkungen durch Impfungen abgewogen
werden. Wenn möglich, sollten Impfungen
mit Lebendimpfstoffen in der Schwangerschaft
vermieden werden. Impfungen mit Totimpfstoffen
und Immunglobulinen sind bei einer unkomplizierten
Schwangerschaft unbedenklich.
Während der Schwangerschaft verlaufen
Malariainfektionen schwerer. Noch Möglichkeit
sollte auf den Aufenthalt in Sollten Hochrisikogebieten
verzichtet werden. Schützen Sie sich
ab abendlicher Dämmerungszeit bis
Morgengrauen besonders wirksam vor Insektenstichen.
Nötigenfalls ist eine medikamentöse
Malariaprophylaxe mit Mefloquin (Lariam,
Mephaquin) oder als Alternative (Chloroquin
plus Proguanil möglich.
Impfungen und Schwangerschaft Da
der Schutz der Schwangeren vor drohenden
Infektionskrankheiten, vor
allem auch
bei nicht aufschiebbaren Auslandreisen,
gewährleistet sein muss, wird Ihr
beratender Arzt das Risiko einer Infektion
gegen die mögliche Nebenwirkung
einer Impfung oder medikamentösen
Prophylaxe genauestens abzuwägen
hoben. So wird beispielsweise die Polio-Schluckimpfung
als Auffrischimpfung bei Reisen in Seuchengebieten
trotz Vorliegen einer Schwangerschaft
empfohlen. Eine Impfung gegen Starrkrampf
kann in jedem Schwangerschaftsstadium
bedenkenlos durchgeführt werden.
Zudem ist ein Schutz gegen Hepatitis
A zu empfehlen.
Gegen
folgende Infektionskrankheiten kann
während der Schwangerschaft bei zwingend
vorliegendem Grund geimpft werden:
•
Starrkrampf
(Tetanus)
•
Diphtherie
•
Hepatitis
A (Alternative Immunglobulin)
•
Hepatitis
B
•
Meningokokken-Hirnhautentzündung
•
Kinderlähmung
(Polio SaIk oder Sabin)
•
Gelbfieber
•
Gehirnentzündung
durch Zeckenvirus (FSME)
•
Tollwut
(noch verdächtigem Tierbiss)
Gegen
folgende Krankheiten sollte eine Impfung
bei Schwangeren nicht durchgeführt
werden:
•
Abdominol-Typhus
(Vivotif)
•
Tuberkulose
(BCG)
•
Cholera
(Orochol und inaktivierter, parenteraler
Impfstoff) japanische Gehirnentzündung